Die moderne Architektur strebt nach maximaler Transparenz und einer Gebäudehülle, die Ästhetik und Hochleistungstechnologie ohne sichtbare Profile vereint. Wenn Sie ein Bauprojekt planen, bei dem eine rahmenlose Ganzglas-Optik im Vordergrund steht, ist eine Structural Glazing Fassade (SG) die technisch maßgebliche Lösung. Diese Konstruktionsart ermöglicht flächenbündige Glasflächen, die durch spezialisierte Klebesysteme gehalten werden und höchste statische Anforderungen erfüllen. Unsere Partner-Fachbetriebe unterstützen Sie bei der detaillierten Planung und normgerechten Ausführung, um die Langlebigkeit und Sicherheit Ihrer Fassade in Österreich zu garantieren. Durch die gezielte Auswahl von Hochleistungsglas lassen sich zudem Wartungskosten minimieren und die Energiebilanz des Gebäudes signifikant optimieren.
Die technische Basis der Structural Glazing Fassade verstehen
Quick Answer: Structural Glazing ist eine Fassadenkategorie, bei der Glaselemente dauerhaft auf einen Tragrahmen geklebt werden. Im Gegensatz zu konventionellen Pfosten-Riegel-Konstruktionen werden die Lasten hier nicht über mechanische Pressprofile, sondern über eine tragende Silikonfuge abgeleitet.
In der Praxis kommen für diese Systeme fast ausschließlich spezialisierte Sicherheitsgläser zum Einsatz. Ein Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG)(Baunetz Wissen[1]) ist ein thermisch vorgespanntes Glas, das eine erhöhte Stoß- und Schlagfestigkeit sowie Beständigkeit gegen Temperaturschwankungen gemäß der ÖNORM EN 12150 (ÖNORM EN 12150-1[2]) aufweist. Sollte eine Resttragfähigkeit nach Glasbruch gefordert sein, ist ein Verbund-Sicherheitsglas (VSG) (Baunetz Wissen[3]) zwingend erforderlich. Ein Verbund-Sicherheitsglas ist ein Glasverbund, der aus mindestens zwei Scheiben und einer reißfesten Folie besteht, welche im Schadensfall die Splitter bindet und so die Anforderungen der ÖNORM B 3716 (ÖNORM B 3716-1[4]) erfüllt.
Systemarten und konstruktive Unterschiede im Fassadenbau
Je nach gewünschter Optik und statischer Lastverteilung unterscheiden Fachbetriebe zwischen verschiedenen Systemvarianten, die jeweils spezifische Zulassungsverfahren benötigen.
- Zweiseitiges Structural Glazing: Hierbei werden zwei gegenüberliegende Seiten mechanisch gehalten, während die restlichen Kanten geklebt werden. Dies bietet eine hohe Sicherheit bei gleichzeitig moderner Linienführung.
- Vierseitiges Structural Glazing: Die Glasscheibe wird an allen vier Kanten ausschließlich durch Klebung fixiert. Dies erzeugt den reinsten „All-Glass-Look“, stellt jedoch höchste Ansprüche an die Qualitätssicherung und die Zulassung im Einzelfall.
- SSGS-Systeme (Semi-Structural-Glazing): Diese kombinieren geklebte Fugen mit dezenten, schmalen Halteprofilen, um eine Balance zwischen Sicherheit und Ästhetik zu schaffen.
Info-Kästchen: Praxistipp zur Systemwahl
Achten Sie bei der Planung auf die geografische Lage Ihres Objekts. Hohe Windlasten in exponierten Lagen erfordern oft eine vierseitige Verklebung mit breiteren Klebefugen. Unsere Partner nutzen spezialisierte Berechnungssoftware, um die exakte Fugenbreite und Haftfläche für Ihr Projekt zu ermitteln.

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Jetzt Experten finden!Kosten und Investitionsrahmen für SG-Fassaden (Stand April 2026\)
Die Preise für Structural Glazing Fassaden liegen aufgrund des hohen Planungsaufwands und der werkseitigen Vorfertigung über denen von Standard-Glasfassaden. Unsere Partner-Fachbetriebe kalkulieren in Österreich für das Jahr 2026 mit folgenden Richtwerten (inkl. MwSt., exkl. komplexer Unterkonstruktion):
| Leistung / Komponente | Preisspanne pro m² (Stand 04/2026) | Besonderheiten |
|---|---|---|
| SG-Isolierglas (2-fach, Standard) | 580 € – 850 € | Inkl. Randverbundversiegelung |
| SG-Isolierglas (3-fach, Hochleistung) | 750 € – 1.150 € | Optimierter Ug-Wert für Passivhäuser |
| Montagekosten durch Fachbetriebe | 180 € – 350 € | Abhängig von Hebegeräten & Höhe |
| Planung & Statik (Pauschalanteil) | 4.500 € – 12.000 € | Projektspezifische Zulassungen |
Ein wesentlicher Faktor für die Gesamtkosten ist die Wahl der Funktionsbeschichtungen. Um die Betriebskosten langfristig zu senken, empfehlen wir die Integration einer Energieeffizienz-Verglasung samt Low-E-Beschichtung, die Wärmestrahlung effektiv reflektiert. Bei schwer zugänglichen Hochhausfassaden amortisiert sich zudem der Einsatz von selbstreinigendem Glas, da die Reinigungsintervalle durch photokatalytische Prozesse massiv verlängert werden können.
Sicherheit und baurechtliche Anforderungen in Österreich
Die Sicherheit einer geklebten Glasfassade steht an oberster Stelle, da die Klebefuge über Jahrzehnte dynamische Lasten wie Windsog zuverlässig in die Tragstruktur ableiten muss.
In Österreich ist die Einhaltung der OIB Richtlinie 4 (RIS – Rechtsinformationssystem des Bundes[5]) für die Nutzungssicherheit von Gebäuden essenziell, insbesondere wenn die Verglasung eine absturzsichernde Funktion übernimmt. Jedes Structural Glazing System muss zudem über eine Europäische Technische Bewertung (ETA) oder eine nationale Zulassung verfügen. Falls Ihr Entwurf von Standardvorgaben abweicht, organisieren unsere Fachbetriebe die notwendige „Zustimmung im Einzelfall“ (ZiE) durch die Baubehörde. Einen Überblick über alle relevanten Vorgaben gibt unser Beitrag zu den Glaser-Richtlinien in Österreich.
Die mechanische Widerstandsfähigkeit der Gläser gegen äußere Einwirkungen wird zudem oft durch eine einbruchhemmende Verglasung der Klassen P4A bis P8B nach ÖNORM EN 356 (ÖNORM EN 356[6]) ergänzt, um das Objekt ganzheitlich abzusichern.
Projektphasen: Von der Vision zur Ganzglasfassade
Ein erfolgreiches SG-Projekt erfordert eine lückenlose Qualitätssicherung, die bereits in der Produktion beginnt.
- Vorbereitung und Reinigung: Die Aluminiumprofile müssen in staubfreien Reinräumen mit speziellen Primern vorbereitet werden, um eine optimale Haftung des Silikons zu gewährleisten.
- Verklebung im Werk: Die Montage der Gläser auf die Adapterrahmen findet ausschließlich unter klimatisch kontrollierten Bedingungen statt. Eine Baustellenverklebung ist aufgrund der Fehleranfälligkeit in Österreich kaum zulässig.
- Aushärtungszeit: Die Elemente benötigen eine definierte Ruhephase, bevor sie transportiert werden dürfen.
- Präzisionsmontage: Am Bauwerk richten unsere Partner die vorgefertigten Module millimetergenau aus. Hierbei ist ein digitales Aufmaß unerlässlich.
Info-Kästchen: Projektbeispiel Bürokomplex Linz (2024)
Bei der Sanierung einer 1.200 m² großen Fassade wurde ein vierseitiges SG-System mit integriertem Sonnenschutzglas verwendet. Trotz der Mehrinvestition in die Klebetechnologie konnten durch den Entfall der äußeren Deckleisten die Montagezeiten vor Ort um 15 % reduziert werden. Das Ergebnis ist eine absolut homogene Fläche, die den Marktwert der Immobilie signifikant gesteigert hat.
Energetische Aspekte und thermische Trennung
Die thermische Effizienz einer Structural Glazing Fassade wird maßgeblich durch den Randverbund des Isolierglases und die Qualität der Low-E-Beschichtung bestimmt. Da keine äußeren Metallprofile vorhanden sind, werden Kältebrücken im Fassadenbild minimiert.
Gemäß der ÖNORM B 8110 (ÖNORM B 8110-2[7]), welche den Wärmeschutz im Hochbau regelt, müssen moderne Fassadensysteme spezifische U-Werte erreichen. Ein Isolierglas ist eine Baueinheit, die aus mindestens zwei Glasscheiben mit einem hermetisch abgeschlossenen Scheibenzwischenraum zur Wärmedämmung besteht. Durch den Einsatz von Edelgasfüllungen (Argon oder Krypton) erreichen SG-Systeme heute Ug-Werte von bis zu 0,5 W/(m²K) (Unicode: 0,5 W/m²K).
FAQ: Häufige Fragen zu Structural Glazing
Hochleistungssilikone sind extrem UV-beständig und alterungsresistent. Bei fachgerechter Ausführung durch spezialisierte Partner liegt die Lebenserwartung bei über 30 Jahren. Regelmäßige Inspektionen der Fugen sind jedoch ratsam.
Ja, besonders bei modernen Architektenhäusern mit großen Panoramafenstern erzeugt Structural Glazing eine unvergleichliche Leichtigkeit. Die Kosten sind jedoch im Vergleich zu Standardfenstern deutlich höher.
Maximale Leichtigkeit bei minimaler Aufbaudicke ermöglicht modernes Dünnglas.
Ja, das System ist so konstruiert, dass die Adapterrahmen mechanisch gelöst und die Glaselemente inklusive Kleberahmen ausgetauscht werden können.
Die Kosten hängen von Glasaufbau und Ausführung ab und liegen für SG-Isolierglas laut aktuellen Richtwerten (Stand 04/2026) zwischen 580 € und 1.150 € pro m² inkl. MwSt. Hinzu kommen Montagekosten von 180 € bis 350 € pro m² sowie ein Planungs- und Statik-Pauschalanteil von 4.500 € bis 12.000 € pro Projekt. Die genaue Höhe ermitteln Fachbetriebe erst nach Prüfung von Glasgröße, Systemart und statischen Anforderungen.
Jedes Structural Glazing System benötigt eine Europäische Technische Bewertung (ETA) oder eine nationale Zulassung, zusätzlich zur Einhaltung der OIB-Richtlinie 4 zur Nutzungssicherheit. Weicht der Entwurf von Standardvorgaben ab, holen Fachbetriebe eine „Zustimmung im Einzelfall“ (ZiE) bei der zuständigen Baubehörde ein. Diese Nachweise sind besonders relevant, wenn die Verglasung eine absturzsichernde Funktion übernimmt.
Beim zweiseitigen System werden zwei gegenüberliegende Kanten der Glasscheibe mechanisch gehalten, während die übrigen Kanten geklebt werden. Beim vierseitigen System erfolgt die Fixierung ausschließlich über die Klebefuge an allen vier Kanten, wodurch der durchgehende Ganzglas-Eindruck entsteht. Die vierseitige Variante stellt höhere Anforderungen an Qualitätssicherung und Einzelfallzulassung als die zweiseitige Ausführung.
Nein, die Verklebung der Gläser auf die Adapterrahmen erfolgt ausschließlich im Werk unter klimatisch kontrollierten Bedingungen. Eine Verklebung direkt auf der Baustelle ist aufgrund der höheren Fehleranfälligkeit in Österreich kaum zulässig. Nach der Werksverklebung benötigen die Elemente zudem eine definierte Aushärtungszeit, bevor sie zur Baustelle transportiert und montiert werden.
Durch den Einsatz von Edelgasfüllungen wie Argon oder Krypton erreichen aktuelle SG-Isoliergläser Ug-Werte von bis zu 0,5 W/(m²K). Da bei Structural Glazing keine äußeren Metallprofile sichtbar sind, reduzieren sich zudem Kältebrücken im Fassadenbild. Die geforderten U-Werte richten sich in Österreich nach der ÖNORM B 8110, die den Wärmeschutz im Hochbau regelt.
Fazit: Ästhetik trifft auf Ingenieurskunst
Die Entscheidung für eine Structural Glazing Fassade ist ein Bekenntnis zu zeitlosem Design und technischer Exzellenz. Um sicherzustellen, dass Ihr Projekt sowohl optisch besticht als auch alle sicherheitstechnischen Normen in Österreich erfüllt, ist die Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachbetrieben unumgänglich. Von der statischen Vorbemessung bis zur finalen Montage bieten unsere Partner die notwendige Expertise für eine nachhaltige Gebäudehülle.
Möchten Sie Ihre Architektur mit einer rahmenlosen Glasfassade aufwerten? Nutzen Sie unser Branchenverzeichnis, um qualifizierte Partner-Fachbetriebe in Ihrer Region zu finden und lassen Sie sich unverbindlich zu den technischen Möglichkeiten und Kosten für Ihre Structural Glazing Fassade beraten.
Quellen
- Baunetz Wissen: Einscheibensicherheitsglas ESG
- Austrian Standards: ÖNORM EN 12150-1
- Baunetz Wissen: Verbundsicherheitsglas VSG
- Austrian Standards: ÖNORM B 3716-1
- RIS – Rechtsinformationssystem des Bundes: Lgbla 2020 073 Anl4 SIG
- Austrian Standards: ÖNORM EN 356
- Austrian Standards: ÖNORM B 8110-2