Hausbesitzer, die eine Immobilie verkaufen oder vermieten möchten, benötigen zwingend einen gültigen Energieausweis, wobei die Qualität der Fenster-Verglasung maßgeblich über die Einstufung in die Effizienzklassen entscheidet. Da Fenster als thermische Schwachstellen der Gebäudehülle bis zu 25 % der Heizwärme entweichen lassen können, ist die Wahl der richtigen Verglasung der effektivste Hebel zur Senkung des Heizwärmebedarfs (HWB). In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie durch den gezielten Einsatz von Wärmeschutzverglasung den Marktwert Ihrer Immobilie steigern, welche Kennzahlen wie der U-Wert wirklich zählen und wie unsere Partner-Fachbetriebe beim normgerechten Einbau unterstützen können.
Die Relevanz der Fenster für die thermische Gebäudehülle
Quick Answer: Da Fenster als thermische Schwachstellen der Gebäudehülle bis zu 25 % der Heizwärme entweichen lassen können, ist die Wahl der richtigen Verglasung der effektivste Hebel zur Senkung des Heizwärmebedarfs (HWB). Sie bilden die Schnittstelle zwischen Innenraum und Umwelt und beeinflussen die Energiebilanz eines Gebäudes überproportional zu ihrer Fläche. In Österreich wird die energetische Qualität im Energieausweis primär durch den Heizwärmebedarf (HWB) in kWh/m²a dargestellt.
- Flächenanteil vs. Energieverlust: Obwohl Fenster oft nur 10 % der Fassadenfläche ausmachen, sind sie für einen Großteil der Transmissionswärmeverluste verantwortlich.
- Beitrag zum Klimaschutz: Eine optimierte Verglasung reduziert den CO₂-Ausstoß und erfüllt die strengen Anforderungen der regionalen Bauordnungen.
- Wertsteigerung: Immobilien mit einer Effizienzklasse von A++ bis B erzielen am Markt nachweislich höhere Verkaufspreise als sanierungsbedürftige Objekte der Klassen E bis H.
Info-Kästchen: Rechtliche Grundlagen in Österreich
Der Energieausweis ist in Österreich durch das Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG 2012) geregelt. Bei Verkauf oder Vermietung muss das Dokument spätestens bei der Vertragserklärung vorgelegt werden. Die technischen Details zur Berechnung der Fensterwerte finden sich in der ÖNORM B 8110-1 (Wärmeschutz im Hochbau).
Quelle: https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-8110-1-2011-11-01~p1904479
Zentrale Kennzahlen: Den Energieausweis richtig verstehen
Die Bewertung der Fenster im Energieausweis basiert auf physikalischen Messgrößen, die den Wärmedurchgang und die solaren Gewinne definieren.

- Uw-Wert ist die Kategorie, welche den Wärmedurchgangskoeffizienten des gesamten Fensters beschreibt. Er gibt an, wie viel Energie (in Watt) pro Quadratmeter Fläche bei einem Temperaturunterschied von einem Kelvin verloren geht (W/m²K). Je niedriger dieser Wert, desto besser die Isolierung.
- Ug-Wert ist die Kategorie, die sich ausschließlich auf den Wärmedurchgang des Glases bezieht. Er ist meist niedriger als der Gesamtwert (Uw), da der Rahmen oft schlechter dämmt als das Glaspaket.
- g-Wert ist die Kategorie, die den Gesamtenergiedurchlassgrad definiert. Er gibt an, wie viel Prozent der auftreffenden Sonnenenergie als Wärme ins Rauminnere gelangt. Ein hoher g-Wert (z. B. 0,60) unterstützt die Heizung im Winter durch solare Erträge.
| Verglasungsart | Typischer Uw-Wert (ca.) | Effizienzklasse (Tendenziell) |
|---|---|---|
| Einfachverglasung (vor 1970) | > 5,0 W/m²K | G – H |
| Altes Isolierglas (bis 1995) | 2,5 – 3,0 W/m²K | E – F |
| 2-fach Wärmeschutzglas | 1,1 – 1,4 W/m²K | C – D |
| 3-fach Hochleistungsverglasung | 0,5 – 0,9 W/m²K | A – B |
Vergleich der Verglasungsstandards und ihre Auswirkung
Die Wahl der Verglasung beeinflusst nicht nur die monatlichen Kosten, sondern auch das Wohnklima (Vermeidung von Zugerscheinungen durch kalte Glasflächen).

Einfachverglasung: Der energetische Altlastenfall
Diese Fenster bestehen aus einer einzelnen Glasscheibe ohne isolierenden Zwischenraum. Im Energieausweis führen sie fast unweigerlich zu einer Einstufung in den roten Bereich. Der Einbau ist bei Neubauten oder umfassenden Sanierungen in Österreich aufgrund der Bauordnungen (z.B. OIB-Richtlinie 6) nicht mehr zulässig.
Quelle: https://www.oib.or.at/wp-content/uploads/oib-rl_6_september_2025.pdf
2-fach Wärmeschutzverglasung: Der solide Standard
Moderne 2-fach-Verglasungen nutzen eine Low-E-Beschichtung (Low-Emissivity), um Wärmestrahlung in den Raum zu reflektieren. Der Scheibenzwischenraum ist meist mit dem Edelgas Argon gefüllt, was die Wärmeleitung signifikant gegenüber Luftfüllungen reduziert. Wie diese Schichten im Detail funktionieren, erklärt unser Beitrag zur Low-E-Beschichtung.
3-fach Verglasung: Die Lösung für Passiv- und Niedrigenergiehäuser
Hierbei kommen drei Glasscheiben und zwei mit Krypton oder Argon gefüllte Zwischenräume zum Einsatz. Diese Fenster minimieren den Energieverlust so stark, dass die raumseitige Scheibe fast Zimmertemperatur behält. Mehr zur höchsten Ausbaustufe lesen Sie im Guide zu Passivhaus-Fenstern.
Info-Kästchen: Die "Warme Kante"
Der Abstandhalter ist das Bauteil, welches die Glasscheiben am Rand auf Distanz hält. Besteht dieser aus Kunststoff statt Aluminium, spricht man von einer "Warmen Kante" (ÖNORM B 8110). Dies verbessert den Uw-Wert des Fensters zusätzlich um ca. 0,1 W/m²K und verhindert Kondensatbildung am Glasrand.
Praxistipp: Fenstertausch als Sanierungsmotor
Ein Praxisbeispiel verdeutlicht den Effekt: Bei einem typischen Einfamilienhaus in Niederösterreich (Baujahr 1982, 140 m² Wohnfläche) wurde die alte 2-fach-Isolierverglasung gegen moderne 3-fach-Wärmeschutzverglasung mit einem Uw-Wert von 0,8 W/m²K getauscht.
- Ergebnis im Energieausweis: Der HWB sank von 125 kWh/m²a auf 105 kWh/m²a.
- Effizienzklasse: Verbesserung von Klasse D auf Klasse C.
- Heizkostenersparnis: Ca. 15 % pro Jahr (je nach Energieträger).
Wichtig ist hierbei die Beauftragung von Partner-Fachbetrieben. Nur ein fachgerechter Einbau nach ÖNORM B 5320 (bauphysikalisch korrekter Anschluss an die Mauer) stellt sicher, dass die im Energieausweis berechneten Werte in der Realität erreicht werden und keine Schimmelbildung durch Wärmebrücken entsteht.
https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-5320-2020-10-01~p2548992
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Nicht zwingend, aber oft empfehlenswert. Wenn der Rahmen noch intakt ist, kann ein Glasaustausch (Sanierungsverglasung) durchgeführt werden. Da moderne 3-fach-Gläser jedoch schwerer und dicker sind, muss ein Fachbetrieb vorab prüfen, ob die Beschläge und Profilstärken dafür ausgelegt sind.
Einen Überblick über die Kosten für einen Fenstertausch finden Sie in unserem Ratgeber.
In der Berechnung des Energiebedarfs wird der temporäre Wärmeschutz (Rollläden, Jalousien) berücksichtigt. Ein geschlossener Rollladen verbessert den Wärmeschutz in der Nacht, ersetzt aber qualitativ keine hochwertige Verglasung.
In Österreich hat der Energieausweis eine Gültigkeit von 10 Jahren ab Ausstellungsdatum. Wurden zwischenzeitlich die Fenster getauscht, lohnt sich eine Neuausstellung, um den verbesserten Marktwert zu dokumentieren.