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21. Mai 2026 6 Min.

Smart Glass & VIG: Höhere Margen für Glaser-Fachbetriebe

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Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes mit funktionaler Verglasung wie Smart Glass.

Die technologische Weiterentwicklung im modernen Glasbau eröffnet spezialisierten Unternehmen neue, hochkarätige Geschäftsfelder, in denen Funktionale Verglasung – eine Glaskategorie, die über die reine Lichtdurchlässigkeit hinaus zusätzliche bauphysikalische oder elektronische Funktionen erfüllt – eine zentrale Rolle einnimmt. Insbesondere innovative Lösungen wie Vakuumisolierglas (VIG) oder schaltbares Glas ermöglichen es Fachbetrieben, anspruchsvolle Projekte im gehobenen Wohn- und Objektbau mit technischer Exzellenz umzusetzen. Da die Anforderungen an die thermische Effizienz und den digitalen Nutzerkomfort in Österreich kontinuierlich steigen, positionieren sich unsere Partner durch dieses Know-how als gefragte Experten für Architekten und private Bauherren. In diesem Beitrag wird detailliert beleuchtet, wie Sie durch den Einsatz dieser High-End-Produkte Ihre Marge optimieren und komplexe Glaslösungen technisch sicher realisieren.

Vakuumisolierglas bietet aufgrund seiner geringen Bautiefe erhebliche Vorteile bei der thermischen Sanierung denkmalgeschützter Gebäude.

Während herkömmliches Dreifach-Isolierglas (3-fach-IGU) oft eine Bautiefe von 36 mm bis 48 mm aufweist, erreicht VIG bereits bei einer Stärke von 8 mm bis 12 mm identische oder sogar bessere Wärmedämmwerte. Die Vakuumisolierglas-Technologie (VIG) beschreibt ein Verbundsystem aus zwei Glasscheiben, zwischen denen ein evakuierter Zwischenraum von nur etwa 0,1 mm bis 0,3 mm besteht, was zu einer extrem geringen Gesamtdicke führt.

Für Fachbetriebe eröffnet dies ein lukratives Geschäftsfeld: die Sanierung historischer Kastenstockfenster oder schmaler Holzrahmenprofile. In Österreich, wo der Erhalt des Stadtbildes und strenge Denkmalschutzauflagen eine Rolle spielen, können Partner durch den Einsatz von VIG thermische Sanierungen durchführen, ohne die originale Optik der Profile zu verändern.

Vergleich: Standard-Isolierglas vs. Vakuumisolierglas (Stand: Mai 2026\)

Merkmal3-fach Wärmeschutzglas (Standard)Vakuumisolierglas (VIG)
Dicke der Verglasung36 mm – 48 mm8 mm – 14 mm
Gewichtca. 30 kg/m²ca. 15 kg/m² – 20 kg/m²
U-Wert (Ug-Wert)0,5 – 0,7 W/m²K0,4 – 0,7 W/m²K
Lichttransmissionca. 70 % – 75 %ca. 80 % – 82 %
Materialkosten pro m²80 € – 130 €350 € – 600 €
Detailaufnahme eines Fensters mit extrem schlankem Vakuumisolierglas im historischen Altbau.

Info-Kästchen: Relevante Normen für VIG in Österreich

Bei der Planung und Ausführung sind insbesondere die ÖNORM B 8110-1 (Wärmeschutz im Hochbau) sowie die ÖNORM B 3716 (Glas im Bauwesen – Konstruktiver Glasbau) zu berücksichtigen. Da VIG-Scheiben aufgrund der Mikro-Abstandshalter im Scheibenzwischenraum ein spezifisches optisches Erscheinungsbild haben, sollte die visuelle Qualität gemäß ÖNORM B 3738 vorab mit dem Kunden geklärt werden.

https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-8110-2-2020-01-01~p2506841

https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-3716-1-2021-08-01~p2588510

https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-3738-2008-07-01~p1663684

Schaltbares Glas ermöglicht durch die Integration elektrochromer Schichten oder PDLC-Folien eine dynamische Kontrolle von Privatsphäre und Energieeintrag.

Schaltbares Glas ist ein aktives Glassystem, das seine Lichtdurchlässigkeit oder Farbe durch das Anlegen einer elektrischen Spannung verändert. Man unterscheidet hierbei primär zwischen zwei Technologien: PDLC (Polymer Dispersed Liquid Crystal) für den Sichtschutz und elektrochromes Glas für den Sonnenschutz.

Für Fachbetriebe liegt der Vorteil hier nicht nur im Verkauf des Glases, sondern in der systemübergreifenden Beratung. Ein Partner, der die Schnittstelle zwischen Glasbau, Elektrotechnik und Gebäudeautomation versteht, besetzt eine Expertenrolle, die im Markt rar gesät ist.

Technologische Unterschiede im Überblick

  1. PDLC-Glas (Privacy Glass): Die PDLC-Folie ist ein Verbundmaterial aus Flüssigkristallen, die im spannungslosen Zustand ungeordnet sind und das Licht streuen (milchig-opak). Sobald Strom fließt, richten sich die Kristalle aus und das Glas wird transparent.
  2. Elektrochromes Glas (Smart Tinting): Hier verändert eine nanokeramische Beschichtung durch Ionenfluss ihre Farbe (meist ins Dunkelblaue). Dies reduziert den g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad), was in modernen Glasarchitekturen den Kühlbedarf im Sommer drastisch senkt.
Glastrennwand in einem modernen Büro, die per Knopfdruck von transparent auf opak (milchig) schaltet.

Kalkulationsbeispiel für den Fachbetrieb (Stand: Mai 2026):

Die Anschaffungskosten für PDLC-Verbundsicherheitsglas liegen aktuell zwischen 650 € und 950 € pro m², exklusive Steuerungseinheiten und Montage. Aufgrund der hohen Komplexität bei der Verkabelung und der notwendigen Präzision in der Glasfalzausbildung können Fachbetriebe hier Montageaufschläge kalkulieren, die weit über dem Standard-Satz liegen.

Gerade bei solch hochpreisigen Hightech-Komponenten ist eine präzise Kalkulation in Zeiten schwankender Rohstoffpreise (Kalkulation in Zeiten schwankender Rohstoffpreise) unabdingbar, um die hart erarbeiteten Margen nicht durch kurzfristige Preissteigerungen im Einkauf von Spezialfolien oder Steuergeräten wieder zu verlieren.

Die gezielte Vermarktung funktionaler Gläser erfordert eine Argumentationskette, die den langfristigen Return on Investment (ROI) gegenüber den Initialkosten betont.

Um höhere Margen zu realisieren, müssen Partner von der reinen Preisabfrage wegkommen und den Nutzwert in den Fokus rücken. In der Akquise von B2B-Projekten (z.B. Bürogebäude) ist die Reduktion der Betriebskosten durch den Entfall externer Sonnenschutzsysteme (Raffstores, Markisen) ein starkes Argument.

Praxis-Tipp für die Beratung:

Zeigen Sie Kunden auf, dass Vakuumisolierglas bei einer Sanierung oft den Austausch der gesamten Fensterrahmen überflüssig macht. Die Kostenersparnis bei den Rahmen und der Entfall von Stemmarbeiten rechtfertigen den höheren Quadratmeterpreis des Glases.

Projektbeispiel: Sanierung eines Bürogebäudes in Wien

  • Bestand: 400 m² Einscheibenverglasung in schmalen Stahlprofilen.
  • Lösung: Einsatz von 10 mm VIG statt Austausch der gesamten Fassadenkonstruktion.
  • Ergebnis: 60 % Heizkostenersparnis, Erhalt der filigranen Optik, Amortisation der Mehrkosten des Glases gegenüber einer Vollsanierung nach bereits 7 Jahren.

Die technische Umsetzung von Smart-Glass-Projekten verlangt eine enge Abstimmung mit anderen Gewerken, insbesondere der Elektrotechnik.

Ein häufiger Fehler bei der Installation von schaltbarem Glas ist die unzureichende Planung der Kabelführung im Rahmenprofil. Fachbetriebe sollten hier proaktiv die Federführung übernehmen, um Gewährleistungsrisiken zu minimieren. Hierbei erweist sich das Prinzip Kooperation statt Konkurrenz (Kooperation statt Konkurrenz) als essenziell, denn nur durch die partnerschaftliche Abstimmung zwischen Glaser und Elektrofachbetrieb lassen sich die komplexen Schnittstellen bei Gebäudeautomation und Verkabelung fehlerfrei und wirtschaftlich realisieren.

Wichtige Installationsaspekte:

  • Trockenverglasung: Die Verwendung von spezifischen EPDM-Dichtungen ist oft zwingend, da Kontakt mit ungeeigneten Dichtstoffen die PVB-Folie oder die elektrischen Kontakte angreifen kann.
  • Transformator-Platzierung: Steuergeräte müssen zugänglich bleiben (Revisionsöffnungen einplanen).
  • ÖNORM-Konformität: Die elektrische Sicherheit muss nach ÖNORM E 8001 (bzw. den Nachfolgenormen der Reihe OVE E 8101) durch einen konzessionierten Elektriker abgenommen werden.

https://www.austrian-standards.at/de/shop/ove-onorm-e-8001-1-2010-03-01~p1787165

Häufig gestellte Fragen (FAQ) für Fachbetriebe

01 Wie langlebig ist Vakuumisolierglas im Vergleich zu herkömmlichem IGU?

Moderne VIG-Einheiten namhafter Hersteller sind auf eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren ausgelegt. Wichtig ist die fachgerechte Randverbundversiegelung, um das Vakuum langfristig zu halten. Die Wartungsintervalle entsprechen denen von Standard-Isolierglas.

02 Können schaltbare Gläser in Feuchträumen verbaut werden?

Ja, sofern es sich um Verbundsicherheitsglas (VSG) handelt und der Randverbund sowie die elektrischen Anschlüsse fachgerecht gegen Feuchtigkeit geschützt sind. Dies ist besonders im Hotelbau (Trennung Bad/Schlafzimmer) ein wachsender Markt für Fachbetriebe.

Margenoptimierung durch Zusatzfunktionen: Ein Überblick für die Kalkulation

In der folgenden Tabelle sind die potenziellen Margen-Steigerungen (im Vergleich zum Standard-Glasgeschäft) aufgeführt, die Fachbetriebe durch Zusatzfunktionen erzielen können.

FunktionTechnologieMehrwert für den KundenMargen-Potenzial (geschätzt)
Wärmeschutz (Sanierung)VakuumisolierglasSchlankes Profil, U-Wert-SenkungHoch (+25-40 %)
Sichtschutz auf KnopfdruckPDLC-FolieDiskretion ohne VorhängeMittel-Hoch (+20-30 %)
Dynamischer SonnenschutzElektrochromes GlasHitzeschutz, BlendschutzHoch (+30-50 %)
VogelschutzSpezialbeschichtung / DruckÖkologische KonformitätMittel (+15 %)

Info-Kästchen: Rechtliche Absicherung

Achten Sie bei der Beauftragung darauf, dass die Leistungserklärung nach der Bauproduktenverordnung für das jeweilige Land (Österreich) vorliegt. Bei Sonderkonstruktionen im Smart-Glass-Bereich empfiehlt sich eine Abstimmung mit der Landesinnung der Glaser, um die Konformität mit der ÖNORM B 3716 sicherzustellen.

Fazit: Die Spezialisierung auf funktionale Verglasungen ist der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit.

Die Zukunft des Glaserhandwerks liegt in der Transformation vom reinen Handwerksbetrieb zum Technologie-Dienstleister. Indem Sie als Fachbetrieb Lösungen wie Vakuumisolierglas oder elektrochrome Systeme anbieten, entziehen Sie sich dem reinen Preiswettbewerb. Die Komplexität dieser Produkte schreckt Billiganbieter ab und erlaubt Ihnen, Beratungsleistung und Montagepräzision adäquat zu bepreisen. Nutzen Sie die steigenden Anforderungen an Energieeffizienz und Komfort, um sich als führender Experte in Ihrer Region zu positionieren.

Sind Sie bereit, Ihr Portfolio zu erweitern und von den Margen moderner Glastechnologien zu profitieren? Finden Sie als einer unserer Partner die passenden Ausschreibungen für anspruchsvolle Glasprojekte in Ihrer Nähe.

Über den Autor
Geprüft

Die Fachredaktion des Glaser Netzwerks Österreich bündelt die Expertise aus Handwerk, aktueller Normgebung und Marktanalyse in Österreich. Unsere Ratgeber und Artikel werden in enger Zusammenarbeit mit konzessionierten Glaser-Fachbetrieben und Sachverständigen erstellt. Unser Ziel ist es, Hausbesitzern, Sanierern und Fachbetrieben fundierte, datenbasierte und nachvollziehbare Informationen rund um die Themen Glas, Fenster, Glasfassaden und sichere Verglasungen zur Verfügung zu stellen.

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