Der Schutz von Personen und Sachwerten in sensiblen Geschäftsbereichen wie Banken oder Apotheken erfordert Sicherheitskonzepte, die weit über herkömmliche Fensterlösungen hinausgehen. Wenn Sie als Inhaber oder Verantwortlicher vor der Herausforderung stehen, Schalterhallen, Schaufenster oder Notdienstschalter gegen Vandalismus, Einbruch oder sogar ballistische Angriffe abzusichern, ist die Wahl der richtigen Widerstandsklasse entscheidend für die Haftung und die Betriebssicherheit. Eine professionell geplante Sicherheitsverglasung gewinnt im Ernstfall die notwendige Zeit und wirkt aktiv abschreckend auf potenzielle Täter. In diesem Fachartikel erfahren Sie präzise, welche technischen Anforderungen für gewerbliche Objekte in Österreich im Jahr 2026 gelten und wie unsere Partner-Fachbetriebe Sie bei der normgerechten Umsetzung unterstützen.
Zertifizierte Sicherheit basiert in Österreich auf strengen Prüfzyklen und normierten Standards
Quick Answer: In Österreich ist für die Planung und Ausführung primär die ÖNORM B 3716 (https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-3716-1-2021-08-01~p2588510) maßgeblich, welche die konstruktive Gestaltung von Glas im Bauwesen regelt. Die Klassifizierung von Sicherheitsglas erfolgt über definierte mechanische Belastungstests, welche die Widerstandsfähigkeit gegen verschiedene Angriffsszenarien objektiv vergleichbar machen. Ein zertifiziertes Verbund-Sicherheitsglas (VSG)(https://www.baunetzwissen.de/glas/fachwissen/funktionsglaeser/verbundsicherheitsglas-vsg-159103) ist eine Glaskategorie, die aus mindestens zwei Glasscheiben besteht, welche durch eine hochreißfeste Folie dauerhaft verbunden sind.
Diese Folie sorgt dafür, dass die Scheibe bei mechanischer Einwirkung zwar bricht, die Splitter jedoch fest an der Folie haften bleiben (Splitterbindung). Dies verhindert einerseits Verletzungen und erschwert andererseits das Durchdringen der Glasfläche massiv. Für den öffentlichen Raum und gewerbliche Einrichtungen definieren zudem die OIB Richtlinie 4 (https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/LgblAuth/LGBLA_ST_20200813_73/LGBLA_2020_073_Anl4_SIG.pdf) sowie die ÖNORM EN 12600 (https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-en-12600-2003-05-01~p1395445) das Pendelschlagverhalten zur Sicherung gegen Aufprallunfälle.
Die Widerstandsklassen P1A bis P5A definieren den Schutz gegen Durchwurf und Vandalismus
Die sogenannten A-Klassen bezeichnen durchwurfhemmende Verglasungen, deren Belastbarkeit mittels des Kugelfallversuchs nach ÖNORM EN 356 (https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-en-356-2000-02-01~p1320599) geprüft wird. Dabei fällt eine 4,11 kg schwere Stahlkugel aus verschiedenen Höhen auf die Scheibe, um spontane Angriffe durch Steinwürfe oder ähnliche Gegenstände zu simulieren. In Apotheken wird die Klasse P4A häufig als Mindestanforderung von Versicherungen für die Absicherung von Schaufenstern vorausgesetzt, da hier die Kugel drei Einschlägen aus 9 Metern Höhe standhalten muss.
Durchbruchhemmung der Klassen P6B bis P8B für erhöhten Objektschutz
Wird eine höhere mechanische Barriere benötigt, kommen die B-Klassen zum Einsatz. Hierbei wird die Widerstandsfähigkeit im Axtschlagversuch gemessen. Es wird ermittelt, wie viele Schläge mit einer mechanisch geführten Axt notwendig sind, um eine Durchstiegsöffnung von 400 mm x 400 mm zu schaffen.
- P6B: Widersteht mindestens 30 bis 50 Axthieben.
- P7B: Hält zwischen 51 und 70 Schlägen stand.
- P8B: Höchster mechanischer Schutz (über 70 Schläge), oft in Banken für gefährdete rückwärtige Bereiche oder Juweliergeschäfte eingesetzt.
Details zu den spezifischen Kosten und Anwendungsbereichen dieser Hochleistungsklassen finden Sie in unserem weiterführenden Ratgeber zur einbruchhemmenden Verglasung.

Durchschusshemmung (BR) sichert Personen in Hochrisikozonen von Bankinstituten
An Kassenplätzen, in Schalterhallen oder im Bereich von Nachttresoren ist der Schutz vor Schusswaffen ein kritisches Kriterium, das nach der Norm DIN EN 1063 in Klassen von BR1 bis BR7 unterteilt wird. BR steht hierbei für „Bullet Resistant“. In den meisten Banken ist die Klasse BR4 (Schutz gegen Faustfeuerwaffen bis zum Kaliber .44 Magnum) der anerkannte Standard für den Schalterbereich.
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal bei der Bestellung ist der Zusatz „S“ oder „NS“:
- S (Splintering): Bei Beschuss können auf der Rückseite (Angriffsseite abgewandt) Glassplitter austreten.
- NS (Non-Splintering): Garantiert, dass im Falle eines Beschusses keine gefährlichen Splitter in den Innenraum fliegen. Für den Personenschutz hinter Banktresoren ist die „NS“-Ausführung in der Regel zwingend vorgeschrieben.
Info-Kästchen: Praxistipp für Banken
Eine ballistische Verglasung nützt wenig, wenn das Alarmsystem nicht zeitgleich reagiert. Unsere Partner-Fachbetriebe empfehlen die Ergänzung durch elektronische Komponenten. Wie Sie hierbei vorgehen, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Glasbruchsensor nachrüsten.
Spezielle Lösungen für Apotheken fokussieren auf den sicheren Notdienstbetrieb
Apotheken stehen vor der besonderen Herausforderung, während des Notdienstes eine physische Trennung aufrechtzuerhalten, ohne die Kommunikation oder die Medikamentenübergabe zu behindern. Ein Notdienstschalter ist eine Bauelement-Einheit, die als Unterscheidungsmerkmal ein integriertes Durchreichesystem in einer Sicherheitsverglasung besitzt.

Häufig kommt hier eine Kombination aus P6B-Verglasung und einer mechanisch geprüften Durchreiche zum Einsatz. Falls die Apotheke zudem thermisch vorgespanntes Glas benötigt, wird ein Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) (https://www.baunetzwissen.de/glas/fachwissen/funktionsglaeser/einscheibensicherheitsglas-esg-159097) nach ÖNORM EN 12150 (https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-en-12150-1-2020-08-15~p2544237) verwendet. Dies bietet eine hohe Stoßfestigkeit und thermische Belastbarkeit, was besonders bei Außenfassaden mit starker Sonneneinstrahlung wichtig ist, um Spannungsrisse zu vermeiden.
Kosten und Investitionsrahmen für Sicherheitsverglasungen (Stand April 2026)
Die Preise für Sicherheitsglas hängen massiv vom Scheibenaufbau, der gewählten Widerstandsklasse und den statischen Anforderungen (Glasdicke) ab. Die folgenden Richtwerte unserer Partner-Fachbetriebe dienen als Orientierungshilfe für den reinen Glastausch pro Quadratmeter (inkl. MwSt., exkl. Montage):
| Widerstandsklasse | Schutzwirkung | Kosten pro m² (Stand 04/2026) |
|---|---|---|
| P4A (VSG ca. 9-10 mm) | Durchwurfhemmend (Standard Apotheke) | 280 € – 450 € |
| P6B (VSG ca. 15-18 mm) | Durchbruchhemmend (Axtschutz) | 650 € – 950 € |
| BR4-NS (Ballistisch) | Durchschusshemmend (Bankenstandard) | 1.800 € – 3.500 € |
| Sicherheits-Notverglasung | Sofortige Absicherung nach Bruch | Pauschale ab 350 € |
Zusätzlich zur Materialinvestition sollten für die fachgerechte Montage durch einen Fachbetrieb ca. 95 € bis 140 € pro Techniker-Stunde sowie gegebenenfalls Kosten für schwere Hebegeräte (Saugkräne) eingeplant werden, da P6B- oder BR-Gläser ein hohes Eigengewicht aufweisen (ca. 2,5 kg pro m² und mm Glasdicke).