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Gewerbe & ObjektRecht, Normen & Sicherheit
10. Jun 2026 4 Min.

Brandschutzverglasung im Gewerbebau: Kosten, Klassen und gesetzliche Vorgaben für Österreich

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Glaserei.or.at Redaktion Geprüft
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Brandschutzverglasung in einem Büro

Der Brandschutz im Gewerbebau stellt Architekten, Bauträger und Gebäubetreiber vor komplexe technische und rechtliche Herausforderungen. Besonders bei großflächigen Verglasungen ist die Wahl der richtigen Brandschutzklasse entscheidend, um im Ernstfall die Ausbreitung von Feuer und Hitze effektiv zu verhindern. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Brandschutzklassen (EI vs. E) für Ihr Projekt verpflichtend sind, mit welchen Kosten pro Quadratmeter Sie aktuell rechnen müssen und wie unsere spezialisierten Partner-Fachbetriebe die normgerechte Umsetzung sicherstellen. Durch die richtige Planung vermeiden Sie teure Nachbesserungen bei der behördlichen Abnahme und garantieren die Sicherheit von Personen und Sachwerten. Einen Gesamtüberblick bietet unser Leitfaden zu den ÖNORMen für Glaser.

Brandschutzklassen nach ÖNORM EN 13501-2 verstehen

Quick Answer: Brandschutzglas wird in die Klassen EI (Raumabschluss mit thermischer Isolation) und E (nur Raumabschluss) eingeteilt. Die Feuerwiderstandsklasse ist eine Kategorisierung, die angibt, wie viele Minuten ein Bauteil dem Feuer standhält und welche Schutzfunktion es dabei erfüllt. In Österreich erfolgt die Einstufung primär nach der ÖNORM EN 13501-2. Während früher die Begriffe F-Verglasung und G-Verglasung dominierten, sind heute die europäischen Bezeichnungen EI und E maßgeblich.

  • EI (früher F): Bietet Raumabschluss gegen Flammen und Rauch sowie eine vollständige thermische Isolation. Die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite darf sich im Mittel um nicht mehr als 140 °C erhöhen.
  • E (früher G): Gewährleistet lediglich den Raumabschluss gegen Flammen und Gase, bietet jedoch keinen Schutz vor der durchschlagenden Hitzestrahlung.

Quelle: RIS Bundeskanzleramt

Vergleich: EI-Verglasung vs. E-Verglasung

MerkmalEI-Klasse (Vollschutz)E-Klasse (Basisschutz)
Raumabschluss (Feuer/Rauch)JaJa
Thermische Isolation (Hitze)JaNein
Hitzestrahlung reduziertJaEingeschränkt
EinsatzbereicheFluchtwege, TreppenhäuserOberlichte, Lichtbänder
Typische Zeitwerte30, 60, 90 Minuten30, 60 Minuten

Info-Kästchen: Relevante Normen in Österreich * ÖNORM EN 13501-2: Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten. * OIB-Richtlinie 2: Definiert die Anforderungen an den Brandschutz je nach Gebäudeklasse (GK 1 bis GK 5). * ÖNORM B 3800: Ergänzende nationale Bestimmungen zum Brandverhalten von Baustoffen.

Kostenfaktoren und Preisspannen für Brandschutzglas (Stand 2024)

Die Investitionskosten für Brandschutzverglasungen hängen massiv von der benötigten Widerstandsdauer und den zusätzlichen Funktionsanforderungen ab. Da Brandschutzglas ein Systemprodukt ist, setzen sich die Kosten aus der Scheibe, dem zertifizierten Rahmensystem (Aluminium, Stahl oder Holz) und der fachgerechten Montage durch Fachbetriebe zusammen.

Kostenschätzung pro m² (Material inkl. Rahmen, exkl. Montage):

  • EI30 Verglasung: ca. 850 € bis 1.250 € pro m²
  • EI60 Verglasung: ca. 1.300 € bis 1.800 € pro m²
  • EI90 Verglasung: ca. 1.950 € bis 2.600 € pro m²

Zusatzfunktionen wie Einbruchhemmung (RC2/RC3) oder erhöhter Schallschutz können den Preis um ca. 15 % bis 25 % steigern. Unsere Partner beraten Sie gerne zu wirtschaftlichen Lösungen, die exakt die geforderten Grenzwerte erfüllen. Wie sich Brand- und Einbruchschutz kombinieren lassen, zeigt unser Beitrag zur Sicherheitsverglasung für Banken und Apotheken.

Quelle: Fenster Schmidinger.

Info-Kästchen: Fachbetrieb für Ihr Projekt finden Die Planung von Brandschutzverglasungen erfordert aufgrund der Haftungssituation maximale Präzision. In unserem Branchen-Verzeichnis finden Sie zertifizierte Partner-Fachbetriebe, die auf die Projektierung und Montage von EI- und E-Systemen spezialisiert sind.

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Planungssicherheit durch zertifizierte Systemlösungen

Brandschutzglas ist ein sicherheitstechnisches Bauteil, das nur als geprüftes Gesamtsystem seine volle Schutzwirkung entfaltet. Ein eigenmächtiger Austausch von Komponenten, wie beispielsweise die Verwendung herkömmlicher Glasdichtungen statt spezieller Brandschutzlaminate, führt unmittelbar zum Verlust der Zulassung.

Wichtige Kriterien für die Abnahme:

  1. Kennzeichnung: Jede Scheibe muss einen dauerhaften Stempel (Ätzung) tragen, der Hersteller, Norm und Klasse ausweist.
  2. Übereinstimmungsbestätigung: Nach der Montage muss der Fachbetrieb eine Bestätigung vorlegen, dass der Einbau exakt nach den Vorgaben des Systemherstellers erfolgte.
  3. Zulassung: Das System muss über eine gültige ETA (European Technical Assessment) oder eine nationale Zulassung verfügen.
Glaser auf einer Baustelle

Praxistipp: Kombination mit Funktionsglas

In modernen Bürogebäuden wird Brandschutzglas oft als Multifunktionsglas ausgeführt. Ein Projektbeispiel aus Wien zeigt: Durch die Integration einer Sonnenschutzbeschichtung in eine EI30-Trennwand konnten die Kühllasten des Gebäudes um 12 % gesenkt werden, während die Brandschutzauflagen für den Flurabschnitt vollumfänglich erfüllt wurden.

Wartung und Instandhaltung von Brandschutzsystemen

Eine regelmäßige Überprüfung der Brandschutzabschlüsse ist für Gebäudebetreiber gesetzlich verpflichtend, um die Versicherungshaftung sicherzustellen. Beschädigungen an der Kantenversiegelung oder Risse in der Scheibe können dazu führen, dass das integrierte Brandschutz-Gel (bei EI-Gläsern) austrocknet oder eintrübt.

Wartungs-Checkliste für Betreiber:

  • Sichtprüfung: Trübung des Glases oder Blasenbildung erkennbar?
  • Dichtungen: Sind die Glashalteleisten und Dichtungen fest und unbeschädigt?
  • Mechanik: Schließen Brandschutztüren im Verbund mit dem Glas selbstständig und vollständig?

Wir empfehlen eine jährliche Inspektion durch unsere spezialisierten Partner, um die Langlebigkeit der Systeme zu gewährleisten.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

01 Darf Brandschutzglas nachträglich in bestehende Fenster eingebaut werden?

Nein, dies ist in der Regel nicht möglich. Brandschutzglas benötigt ein thermisch entkoppeltes und statisch geprüftes Rahmensystem, das die Lasten und die Hitzeentwicklung aufnehmen kann. Bestehende Rahmen sind für diese Belastungen nicht zertifiziert.

02 Was passiert bei einem Glasbruch?

Brandschutzglas besteht oft aus einem Verbund von Einzelscheiben mit Zwischenschichten. Bei einem Bruch einer äußeren Scheibe ist die Brandschutzwirkung kurzfristig meist noch gegeben, die Zulassung erlischt jedoch formal. Die Scheibe muss umgehend durch einen Fachbetrieb getauscht werden.

Den richtigen Fachbetrieb für Ihr Gewerbeprojekt finden

Die Komplexität der österreichischen Bauordnungen und die strengen Haftungsregeln machen die Zusammenarbeit mit Experten unumgänglich. Als Branchen-Verzeichnis vermitteln wir Ihnen den Kontakt zu hochqualifizierten Fachbetrieben, die auf Brandschutzverglasungen spezialisiert sind. Unsere Partner unterstützen Sie von der ersten Ausschreibungsphase über die Detailplanung bis hin zur mängelfreien Montage und Dokumentation.

Setzen Sie auf geprüfte Qualität und rechtssichere Ausführung für Ihr Bauvorhaben. Kontaktieren Sie jetzt unsere gelisteten Spezialisten für ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Über den Autor Glaserei.or.at Redaktion
Geprüft

Die Fachredaktion des Glaser Netzwerks Österreich bündelt die Expertise aus Handwerk, aktueller Normgebung und Marktanalyse in Österreich. Unsere Ratgeber und Artikel werden in enger Zusammenarbeit mit konzessionierten Glaser-Fachbetrieben und Sachverständigen erstellt. Unser Ziel ist es, Hausbesitzern, Sanierern und Fachbetrieben fundierte, datenbasierte und nachvollziehbare Informationen rund um die Themen Glas, Fenster, Glasfassaden und sichere Verglasungen zur Verfügung zu stellen.

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